Kosten senken

Lastspitzen kappen: Leistungspreis im Industrietarif senken

Von Nils Rückert · 5. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ein einziger kurzer Moment kann die Stromrechnung eines ganzen Jahres prägen: Springen mehrere große Verbraucher gleichzeitig an, entsteht eine Lastspitze – und genau die wird bei Industriekunden teuer bezahlt. Wer diese Spitzen glättet, senkt den Leistungspreis spürbar, oft ohne einen einzigen Prozess zu bremsen.

Kurzantwort: Bei Betrieben mit registrierender Leistungsmessung (RLM) richtet sich der Leistungspreis nach dem höchsten 15-Minuten-Mittelwert des Jahres. Wer diese Spitze durch Lastspitzenkappung (Peak Shaving) oder gezieltes Lastmanagement senkt – und ggf. eine atypische Netznutzung nach § 19 StromNEV beantragt – reduziert das Netzentgelt dauerhaft.

Wie entsteht der Leistungspreis überhaupt?

Ab einer bestimmten Größe werden Betriebe mit registrierender Leistungsmessung abgerechnet. Die Netzkosten teilen sich dann in zwei Größen: den Arbeitspreis je verbrauchte Kilowattstunde und den Leistungspreis für die höchste in Anspruch genommene Leistung in Kilowatt. Der Netzbetreiber misst dabei den Verbrauch in 15-Minuten-Intervallen. Der höchste dieser Viertelstundenwerte im Jahr bestimmt den Leistungspreis – und wird mit einem festen Euro-Betrag je Kilowatt multipliziert.

Das Tückische daran: Eine einzige unglückliche Viertelstunde, in der zufällig Kompressor, Ofen und mehrere Maschinen zusammen anlaufen, kann den Leistungspreis für zwölf Monate nach oben ziehen.

Hebel 1: Lastspitzen glätten (Peak Shaving)

Beim Peak Shaving werden kurzzeitige Spitzen aktiv gekappt – klassisch durch einen Batteriespeicher, der genau in diesen Momenten einspeist, oder durch intelligente Steuerung, die große Verbraucher zeitversetzt zuschaltet. Für den Prozess ändert sich nichts Spürbares, für die Rechnung eine Menge: Schon das Absenken der Jahreshöchstlast um wenige Prozent kann sich im vier- bis fünfstelligen Bereich bemerkbar machen.

Hebel 2: Lastmanagement ohne Speicher

Nicht jeder Betrieb braucht sofort einen Speicher. Oft reicht ein durchdachtes Lastmanagement: große Verbraucher nicht gleichzeitig starten, energieintensive Prozesse entzerren, unkritische Lasten kurz zurückfahren, wenn eine Spitze droht. Eine Lastmanagement-Software überwacht die laufende Viertelstunde und greift automatisch ein, bevor der Schwellenwert überschritten wird.

Hebel 3: Atypische Netznutzung nach § 19 StromNEV

Wer seinen Strombezug nachweislich aus den sogenannten Hochlastzeitfenstern des Netzbetreibers heraushält, kann eine atypische Netznutzung beantragen und ein reduziertes Netzentgelt erhalten. Je nach Erfüllungsgrad sind reduzierte Sätze möglich. Wichtig: Das setzt eine saubere Dokumentation und einen Antrag beim Netzbetreiber voraus, und die konkreten Voraussetzungen und Fristen sollten im Einzelfall mit dem Netzbetreiber oder einem Energieberater geprüft werden.

Und die Netzqualität?

Lastspitzenkappung senkt den Leistungspreis – sie verbessert aber nicht automatisch die Qualität des Stroms im Betrieb. Oberschwingungen, Phasenschieflage und Spannungsschwankungen wirken parallel und kosten zusätzlich Energie und Lebensdauer. Hier setzt das ESS Energieeffizienzsystem an: Es wirkt netzseitig über Spannungsstabilisierung, aktiven Phasenausgleich und Oberschwingungsfilterung und senkt so den Verbrauch – typischerweise um 8 bis 15 Prozent, mit 5 Prozent Mindesteinsparung schriftlich garantiert. Beide Ansätze ergänzen sich: Peak Shaving zielt auf den Leistungspreis, das ESS-System auf den tatsächlichen Verbrauch und die Netzqualität. Mehr dazu im Beitrag über Oberschwingungen.

Merksatz: Der Arbeitspreis belohnt weniger Verbrauch, der Leistungspreis weniger Spitzen. Die größte Wirkung entsteht, wenn man beide getrennt angeht.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich Peak Shaving? Grundsätzlich mit steigendem Leistungspreis und ausgeprägten Lastspitzen. Ein Blick in die Lastgangdaten des Netzbetreibers zeigt schnell, wie groß das Potenzial ist.

Brauche ich zwingend einen Batteriespeicher? Nein. Häufig bringt schon organisatorisches Lastmanagement viel; ein Speicher lohnt sich vor allem bei häufigen, kurzen Spitzen.

Senkt Lastspitzenkappung auch meinen Gesamtverbrauch? Nein, sie senkt die Höchstlast. Für weniger Verbrauch braucht es zusätzlich Maßnahmen an Antrieben, Prozessen und Netzqualität.

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